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Ein Jahr danach: Erste Photonik-Absolventen im Gespräch über die Zeit nach dem Studium

18. Dezember 2019 | 16:38 Autor: NTB Folio | Anzeige Vorarlberg, Liechtenstein, Deutschland, Schweiz

2018 erhielten 87 Ingenieurinnen und Ingenieure ihr Bachelordiplom von der NTB – unter ihnen auch die schweizweit ersten zehn Photonikabsolventen. Was sie seit ihrem Bachelorstudium machten und wie sie ihr Wissen über Photonik bereits zum Einsatz bringen konnten, erzählen Harold Kessler und Roger Keller im Interview mit NTB FOLIO.

Harold Kessler und Roger Keller, Sie gehörten im vergangenen Jahr zu den ersten Photonikabsolventen der Schweiz. Wie ging es bei Ihnen seither weiter?

Harold Kessler: Ich habe direkt im Anschluss an das Bachelorstudium mit dem Masterstudium im Bereich optische Systemtechnik weitergemacht. Kommenden Februar werde ich das Masterstudium voraussichtlich abschliessen.

Roger Keller:
Durch mein berufsbegleitendes Studium war ich jobmässig «versorgt», konnte mir also in aller Ruhe Gedanken über meine berufliche Zukunft machen. Schlussendlich hat sich das in einer neuen Arbeitsstelle manifestiert.

Photonik gilt als zukunftsweisende Wissenschaft. Inwiefern kam sie nach Abschluss Ihres Bachelorstudiums bereits zum Einsatz?

Keller: Ich arbeite als Testingenieur bei der ELESTA GmbH, die unter anderem Lichtgitter als Schutzeinrichtung für Mensch und Maschine herstellt. In unserem Team testen wir die Geräte und prüfen, ob diese den normativen Anforderungen genügen. Diese Tests beinhalten nebst destruktiven und funktionalen Tests auch Prüfungen im Bereich Optik – ich kann meine Photonikkenntnisse also anwenden.

Kessler: Im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit der Umsetzung eines Laserpoliturverfahrens für Glas. Sollten die Ergebnisse vielversprechend sein, ergäbe sich ein breiter Anwendungsbereich für das Verfahren.

Haben Sie in Bezug auf die Anwendung von Photonik konkrete Ziele oder Träume?

Kessler: Aktuell besteht mein Ziel darin, die Masterarbeit erfolgreich umzusetzen, um damit einen hervorragenden Grundstein zur Weiterentwicklung des Laserpoliturverfahrens an der NTB zu legen.

Keller: Wir haben bei uns in der Firma einen Slogan, der ganz gut passt: «Mit unseren Ideen die Welt sicherer machen.» Ich persönlich würde die Welt gern besser und fairer machen.

Würden Sie wieder Photonik studieren oder würde rückblickend ein anderer Studienschwerpunkt mehr bringen?

Keller: Die Frage nach dem Nutzen ist schwierig zu beantworten. Ich bin schon ein wenig älter und war nicht der typische Student. Als ich mich mit 36 entschlossen habe, ein Studium zu machen, hatte ich schon einen grossen Rucksack mit diversen Erfahrungen. Ich verstand das Studium vor allem als Türöffner und hatte mir keinen Masterplan zurechtgelegt. Für mich war mehr die Nähe der Hochschule zum Arbeitsort wichtig. An der NTB lag es auf der Hand, dass ich als gelernter Elektroniker mit Erfahrungen in der Software-Entwicklung Elektronik oder allenfalls Informatik als Vertiefungsrichtung gewählt hätte. Ich sagte mir aber, dass es keinen besseren Zeitpunkt gäbe, um etwas Neues kennenzulernen – also wurde es Photonik.

Kessler: Ich würde mich definitiv wieder für Photonik entscheiden, weil diese einen breiten und zukunftsorientierten Anwendungsbereich bietet.

Was hat Sie während des Studiums besonders beeindruckt?

Kessler: Mir bleibt vor allem ein Moment in Erinnerung. Damals habe ich realisiert, was mit Lasern heutzutage bereits alles möglich ist und den Entschluss gefasst, dieses breite Feld zu erweitern.

Keller: Ich fand das Roboterprojekt ganz spannend. Wie ein Team mit unterschiedlichen Charakteren und beruflichem Background vom weissen Blatt weg ein funktionierendes System entwickelt, das alle Ingenieursdisziplinen beinhaltet, und das am Ende auch funktioniert, war schon beeindruckend und befriedigend – trotz vieler Stresssituationen.

Im Systemtechnik-Studium wird nicht nur technisches Wissen grossgeschrieben, sondern auch eine Vielzahl anderer Themen. Wovon haben Sie persönlich am meisten profitiert?

Keller: Ich fand AKK (allgemeiner kultureller Kontext) sehr interessant. Ich bin von Natur aus kulturell und politisch interessiert und genoss das Kontrastprogramm bei Olaf Gerndt jeweils sehr. Auch die Wahlmodule bei Rolf Schlachter (Psychologie) fand ich sehr kurzweilig und schätzte es, auch mal einen Diskurs mit einem Dozenten zu führen.

Kessler: Durch die verschiedenen Praktika hatte ich die Möglichkeit, den Umgang mit verschiedensten Programmen zu lernen. Bei einem einmonatigen Praktikum in der Industrie konnte ich dadurch bereits nach kurzer Zeit effektiv mitarbeiten.

Was raten Sie Leuten, die sich unsicher sind, ob sie Photonik studieren sollen?

Kessler: Es ist sicherlich sinnvoll, mit Absolventen oder Studierenden in höheren Semestern über die Fachbereiche zu reden, wobei dies nicht nur für Photonik gilt. Direkt von den Studenten kriegt man einen guten Einblick und kann die offenen Fragen am besten klären.

Keller:
Es ist eine zukunftsgerichtete Technologie und die Arbeitsmarktsituation ist gut. Vor allem im Rheintal bis nach Chur hat es viele Firmen, die sehr stark im optischen Bereich unterwegs sind. Der Systemtechnik-Abschluss an der NTB hat aber natürlich klar den Vorteil, dass die unterschiedlichen Disziplinen alle auf dem gleichen Grundstudium aufbauen. Daher hat ein Photoniker mit einem Elektroniker relativ viel gemeinsam – und das hilft enorm bei der Jobsuche.

Harold Kessler, Sie studieren heute auf MSE-Stufe. Wieso haben Sie sich entschieden, gleich ein weiteres Studium anzuhängen?

Kessler: Mit dem MSE in optischer Systemtechnik kann ich, neben der Erweiterung des im Bachelorstudium erworbenen Wissens, mein Fachwissen im Bereich Laserbearbeitung noch vertiefen.

Inwiefern unterscheidet sich das MSE-Studium von Ihrem Photonikstudium?

Kessler: Im MSE-Studium kann der Student aus 112 Theoriemodulen einen auf seine eigenen Interessen zugeschnittenen Stundenplan zusammenstellen. Darüber hinaus gibt es mit den zwei Vertiefungsmodulen und der Masterarbeit die Möglichkeit, gezielt einen Fachbereich zu vertiefen. Im Photonikstudium wurde hingegen ein breites Grundwissen aufgebaut.

Roger Keller, Sie haben parallel zum Studium gearbeitet und sind nun nach Studienabschluss in einem anderen Job tätig. Inwiefern hat sich durch Ihr Studium Ihr Arbeitsfeld verändert?

Keller: Das Arbeitsumfeld hat sich nicht so sehr verändert, es ist jedoch abwechslungsreicher geworden. So gibt es Wochen, in denen man mehr in der Werkstatt eine Testeinrichtung am «zämäschrüübäle» ist, als am PC sitzt. Auch bin ich nicht in der Entwicklung, sondern im Testing tätig – das ist eine ganz andere Rolle.

Was sind Ihre beruflichen Ziele?

Kessler: Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren zuerst als Entwicklungsingenieur zu arbeiten. Anschliessend möchte ich in die Produktentwicklung/Projektleitung übergehen.

Keller: Ich möchte nicht um jeden Preis Karriere machen. Ich fühle mich in der jetzigen Position ganz wohl und kann in vielen Disziplinen tätig sein. Bezüglich Photonik bin ich in der firmeninternen «Fachgruppe Optik» dabei – hier bekomme ich mit, welche neuen Produkte und Technologien eingesetzt werden und kann mir auch schon im Vorfeld mögliche Szenarien für das Testing überlegen.

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