Eigenheim in der Schweiz: Bauen wird teurer, Mieten günstiger

Eigenheim in der Schweiz: Bauen wird teurer, Mieten günstiger

Bern (CH) Das eigene Haus – das gehört nach wie vor zu den grössten Wünschen vieler Menschen. Doch in der Schweiz wird es immer schwieriger, sich diesen Traum zu erfüllen. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern hat sich zwar seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau eingependelt, die Preise sind in den letzten 25 Jahren jedoch kontinuierlich gestiegen und die Corona-Pandemie verstärkte diesen Trend.

Die Immobilienbranche der Schweiz steckt in der Krise. Schon in den vergangenen 25 Jahren spitzte sich die Situation zu und die anhaltende Corona-Pandemie verschärft die Situation. Doch wer einen ersten Blick auf so manche Statistiken wirft, wird verwundert sein: Denn die Anzahl der Gebäude mit Wohnnutzung hat hierzulande dennoch in den letzten 30 Jahren zugenommen. So wurden Ende 2020 laut dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz 1,8 Millionen Gebäude mit Wohnnutzung gezählt. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 – vor mehr als 30 Jahren – waren es noch eine halbe Million weniger. Die Hälfte dieser Gebäude steht in den bevölkerungsstärksten Kantonen Zürich, Bern, Waadt, Aargau und St. Gallen. Doch bei den meisten davon handelt es sich um Mietwohnungen. Denn, sich den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen, wird für viele Schweizer aus finanziellen Gründen immer schwieriger. So nahmen die Preise für ein Einfamilienhaus vergangenen Juli beispielsweise um 1,5 Prozent zu, wodurch ein Einfamilienhaus im Sommer 2021 um durchschnittlich knapp zehn Prozent mehr kostete als noch ein Jahr zuvor. Für ein Haus mit 160 Quadratmetern Wohnfläche müssen Interessierte somit bereits mit mindestens 1,13 Millionen CHF rechnen. So stark gestiegen sind die Preise zuletzt 2013. Und nach wie vor zeigt die Preiskurve nach oben, wie der Swiss Real Estate Offer Index von ImmoScout24 und IAZI belegt.

Geld und Glück sind gefragt
Wer ein Eigenheim bauen oder erwerben möchte, braucht aber nicht nur immer mehr Geld, sondern auch immer mehr Glück. Denn trotz der steigenden Preise bleibt die Nachfrage auf einem konstant hohen Niveau. Zu gross ist die Sehnsucht nach einem Haus am Land, in dem die nächste Generation behütet aufwachsen kann. Dadurch ergibt sich ein immer knapper werdendes Angebot. Nicht selten kommt es daher zu Bieterverfahren, bei denen der Verkaufspreis weiter in die Höhe getrieben wird. Doch ein Ende ist laut Immobilienexperten oder dem Hauseigentümerverband nicht in Sicht – vielmehr wird sich die Schere zwischen Arm und Reich dadurch künftig weiter öffnen. Jene Menschen, die es sich nach wie vor leisten können, werden sich den Traum erfüllen oder gar in weitere Immobilien investieren. Jenen, denen dies verwehrt bleibt, wird auch eine Lohnerhöhung nichts nutzen.

So regional wie möglich bauen
Wer sich den Traum erfüllen kann, braucht daher nicht nur einen sicheren Finanzierungsplan, sondern sollte beim Bau und bei der Ausstattung so regional wie möglich denken. Denn auch Produktion und Logistik sind nach wie vor angespannt. Eine verheerende Situation, schliesslich ist die Schweiz in den meisten Industriebranchen stark von internationalen Zulieferern abhängig. Die Folge: Gerade bei der Beschaffung von Materialien, die weite Transportwege erfordern, kann es zu Lieferengpässen und Verzögerungen kommen. Und das kann wiederum den Baustellenplan durcheinanderwerfen. Vor allem die Bereiche Luftfracht, Kontraktlogistik und der Überseeverkehr sind in der Schweiz immer noch beeinträchtigt. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, holt beim Hausbau so viele regionale Unternehmen mit ins Boot wie möglich – angefangen von den Rohstoffen über die verschiedenen Gewerke bis hin zur Einrichtung. Der Vorteil: So werden nicht nur lange Transportwege – und damit eventuelle Verzögerungen – umgangen, sondern künftige Hausbesitzer haben bei Fragen stets Experten in der Nähe und können sich auch bei Reparaturen an diese wenden. Kosten bei der Einrichtung lassen sich einsparen, indem statt dem stationären Fachhandel auf Schweizer Online-Händler wie beispielsweise Storenonline.ch zurückgegriffen wird.

Corona bremst die Urbanisierung
Auch in puncto Standort scheint das Zauberwort „regional“ zu lauten. Denn die Corona-Pandemie bremst merklich auch die Urbanisierung. So kam es laut der Immobilienstudie 2022 der Credit Suisse in der Schweiz bei den Binnenabwanderungen aus den Zentren seit dem Jahr 2022 zu einer Verdopplung – wenngleich Städte immer noch von internationaler Zuwanderung profitieren. Ein Grund hierfür sind veränderte Lebens- und Arbeitsgewohnheiten – allen voran Homeoffice und Digitalisierung. Diese neue Lebensrealität fungiert wiederum als Motor für ländliche Gebiete, die – im Gegensatz zu Städten – auch oft noch weitgehend mit einer günstigeren Preisstruktur punkten können. Und das ist für viele Menschen die einzige Chance, denn der Anteil jener für eine Familie mit mittlerem Einkommen noch erschwinglichen Eigentumsobjekte aller auf Online-Portalen ausgeschriebenen Wohnobjekte ist von 2021 auf 2022 von 34 auf 31 Prozent zurückgegangen. Mit anderen Worten: Nur noch ein Drittel aller Immobilien ist für Interessierte tragbar. Und einen weiteren Trend hat die Pandemie eingeleitet: In den vergangenen zwei Jahren haben immer mehr Schweizer ihren Urlaub nicht im Süden verbracht, sondern im Inland. Viele davon haben die Heimat neu kennen- und lieben gelernt und sind nun auf der Suche nach einem Zweitwohnsitz für künftige Ferien. Die Folge: Die Nachfrage nach Zweitwohnungen steigt. Aber auch hier ist eine Krise vorprogrammiert, denn das Wohnungsangebot in touristischen Gemeinden hat sich seit 2018/2019 beinahe halbiert. Steigende Preise sind daher auch hier zu erwarten.

Mietwohnungen erschwinglicher
Genau gegensätzlich zur Situation der Einfamilienhäuser gestaltet sich derzeit jene der Mietwohnungen in der Schweiz. Wie eingangs erwähnt, wird hier nach wie vor viel gebaut und viele der Wohnungen dienen Investoren als langfristige Anlage. Die Folge: Es gibt mehr Wohnungen als Interessenten, was die Preise drückt. Eine 100 Quadratmeter grosse Mietwohnung gibt es momentan daher um durchschnittlich 2‘163 CHF. Und auch hier rücken ländliche Gebiete immer mehr in den Fokus und können erstmals seit vielen Jahren mit urbanen Gebieten in puncto Attraktivität mithalten. Allerdings kam speziell in den letzten Monaten die Bautätigkeit aufgrund der Pandemie ins Straucheln. Dies führte jedoch wiederum dazu, dass Leerstände sanken.

 

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